Dr. Thomas Tartsch
Kommentar: Warum der Westen in Afghanistan keine militärischen Erfolge erzielt
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[In gekürzter Form auch als Leserbrief erschienen]


Der Afghanistaneinsatz zeigt, was man alles falsch machen kann, womit sich der Einsatz für den Westen seit Ende 2001 insgesamt in einen physischen, psychischen und die Staatshaushalte belastenden Abnutzungskrieg gewandelt hat, dessen Ausgang derzeit nicht zu prognostizieren ist. Auch wenn die bisherigen Verluste von insgesamt 1657 gefallenen Soldaten nicht annähernd die Zahl von ca. 15.000 gefallenen Soldaten der Sowjetarmee während des Krieges von 1979 -1989 erreicht haben, sind bis zum 23.02.2010 schon 91 gefallene Soldaten zu verzeichnen, womit die Monate Januar und Februar 2010 die verlustreichsten Monate Januar und Februar seit 2002 darstellen.


Diesen Abnutzungskrieg kann der Westen allein militärisch nicht gewinnen, da schon die personellen militärische Ressourcen fehlen und der politische Wille für die Zustimmung zu verlustreichen militärische Operationen nicht existiert, und die Politik Rücksicht auf die Stimmung in der Bevölkerung nehmen muss, die sich seit dem Ende des zweiten Weltkriegs an den „ewigen Frieden“ gewöhnt hat. Herfried Münkler bezeichnet diese Mentalität treffend als Postheroismus, da man sich scheut, für die Verteidigung von Wertvorstellungen Menschenleben zu riskieren. Dabei stellen neben den afghanischen Taliban die aus aller Welt zur Ausübung des Jihad sich einfindenden Mudschahiddin des global operierenden und hybriden Terrornetzwerkes Qaida al-Jihad die größte Gefahr dar, da viele von Ihnen wieder in ihre westlichen Heimatländer zurückkehren, um hier den Jihad auszuüben. Allein den Sicherheitsbehörden sind offiziell 184 primär junge Muslime und Konvertiten aus Deutschland bekannt, die in Afghanistan kämpfen und von denen rund die Hälfte wieder zurückgekehrt ist. Die Entwicklungen in Afghanistan betreffen Deutschland in einer verzahnten Sicherheitslage damit sowohl auf nationaler als auch auf geopolitischer Ebene.


Der Westen hat es versäumt, aus vollkommener Unkenntnis über die Mentalität der afghanischen Bevölkerung frühzeitig eine erfolgreiche Counterinsurgency Strategie anzuwenden. Für Counterinsurgency (Aufstandbekämpfung) ist es entscheidend, von der Bevölkerung als Schutzmacht wahrgenommen zu werden, was ständige Präsenz im Raum und unablässige Angriffe auf jihadistische Kräfte erfordert, da wie in Afghanistan die Zahl der getöteten Jihadisten im Verhältnis zur Zahl der Kollateralschäden den Erfolg oder Misserfolg des militärischen Einsatzes bestimmt. In bellistischen Gesellschaften erzielt man nur Erfolge, wenn man bestimmt auftritt, so viele Gegner wie möglich tötet und sich als Schutzmacht profiliert. Und nicht durch eine Strategie der Abschottung der eigenen militärischen Kräfte von der Zivilbevölkerung und des Einsatzes massiver Bombenteppiche zur Vermeidung eigener Verluste, womit man die Zivilbevölkerung in die Arme der Jihadisten treibt, die insoweit schon den Medienjihad gewonnen haben, als man hier gar nicht mehr den Terror der afghanischen Taliban gegen die Zivilbevölkerung wahrnimmt. Usama Ibn Ladin hat das schon Ende 2001 in einem Kommentar prägnant ausgesagt: "Wenn die Leute ein starkes Pferd und ein schwaches Pferd sehen, dann werden sie naturgemäß das starke Pferd mögen." Somit werden diejenigen nicht arabischen Akteure in der Region verlieren, die sich nicht als schlagkräftig erweisen und wahres Durchhaltevermögen zeigen. Langfristig müssen daher neben der kurz- und mittelfristigen repressiv-militärischen Bekämpfung unterstützende und transformierende politische und wirtschaftliche Komponenten hinzukommen, wobei man auf eine kurzfristige Implantation westlicher Staatsorganisationsmodelle, Werte- und Normensysteme, nicht hoffen kann. Vielmehr wird man letzten Endes eventuell froh darüber sein können, wenn man ein diktatorisches Regime errichten kann, welches die Konfliktparteien mit allen Mitteln in Schach hält, um das Zentrum durch die Befriedung der Peripherie zu schützen, da der Westen nicht auf Jahrzehnte in Afghanistan bleiben wird.


 


 


 


 

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Erwin Mahnke
01.03.2010 18:57:12
Kommentar eines Praktikers
Das Beste zu diesem Thema stammt aus der Feder eines amerikanischen Soldaten in Afghanistan.

http://www.brusselsjournal.com/node/4290

Krieg ist schrecklich, Krieg ist das letzte Mittel. Aber führen wir heutzutage überhaupt noch Krieg, wenn Oberst Klein für seine mit seiner ganzen Kompetenz und aus der Situation getroffene Entscheidung fast gelyncht wird und zwar nicht von den Afghanen, sondern von den eigenen Medienleuten und Politikern?

Nein, wir führen keinen echten Krieg, haben keine wirklichen militärischen Ziele, gehen auch nicht militärisch vor und haben überhaupt nur Weicheier am Ruder der Politik, die ihre eigenen Jungen für nichts und wieder nichts opfern und verheizen. Und das gilt sogar für die Amerikaner! Ein Bisschen Krieg ist wie ein Bisschen schwanger, so kann man doch nur verlieren.

Was haben und Irak und Afghanistan uns konkret gebracht? Im Irak sind die Christen fast ausgerottet oder vertrieben und beide Länder haben nun eine islamische Verfassung nach der Scharia und mit allem drum und dran. Wir pumpen Geld in Länder, deren Bevölkerung nicht zögern würde, all die schönen neuen Waffen gegen uns einzusetzen, sobald wir ihnen den Rücken zuwenden. Jedenfalls sind beide Länder mehr dazu in der Lage als jemals zuvor.

Und zu Hause schwafeln die Politiker vom Hindukusch, an dem unsere Freiheit verteidigt werde, während Feuilleton-Jihadisten, und nicht nur die, daran arbeiten, sie uns auch ganz ohne Selbstmordattentate Stück für Stück zu nehmen.

Es passt wirklich überhaupt nichts mehr zusammen.
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